Neuraltherapie

Mittels Injektionen von Procain, einem seit Jahrzehnten bekannten, sehr gut verträglichen, kurzwirksamen Lokalanaesthetikum, kann der gesamte Organismus über das Nervensystem erreicht werden. Eingesetzt wird die Neuraltherapie z.Bsp. bei Schmerzen, Narbenproblemen, chronischen Erkrankungen, akuten Erkrankungen wie zum Beispiel Stirn- und Kieferhöhlenentzündung etc. Es werden in der Regel sehr feine Nadeln eingesetzt, sodass die Injektionen im Allgemeinen sehr gut vertragen werden. Die Neuraltherapie kann auch bei Schwangeren und Kindern eingesetzt werden.
Neuraltherapie (NT) ist eine Behandlungsmethode, welche die vernetzten Eigenschaften des vegetativen Nervensystems nutzt. Durch eine korrekte Einspritzung von Procain in kleinen Mengen an einer bestimmten Stelle am Nervensystem wird die Selbstregulierung (Autoregulation) stimuliert, so dass die Selbstheilung des Körpers einsetzen kann. Begründet wurde die Neuraltherapie 1925 von den Aerzten Ferdinand und Walter Huneke.
Eine Voraussetzung für die NT bilden Kenntnisse des Nervensystems und dessen Funktionsweise (Neuroanatomie und Neurophysiologie). Das Vegetative (unbewusste) Nervensystem spielt dabei eine zentrale Rolle. Es endet in einem feinen Netzwerk im Grundsystem.Das Grundsystem ist ebenfalls ein feines Netzwerk, welches jede Zelle umschließt und im ganzen Körper vorhanden ist. Das vegetative Nervensystem leitet über das Grundsystem Informations- und Regulationsvorgänge. Dies ist nötig, damit unser Körper sich rasch an verschiedenste Reize (Ernährung, Anstrengung, Temperaturänderung, Abwehr z.B. gegen Bakterien und Viren etc.) anpassen kann. Bei einer Erkrankung des Organismus liegt immer eine Störung der Informations- und Regulationsverarbeitung vor.
Die individuell verschiedenen Reaktionen des Körpers auf die neuraltherapeutische Anwendung geben auch wichtige diagnostische Hinweise über den Gesamtorganismus: Der Körper reagiert gelegentlich mit einer Verschlechterung, oft jedoch mit einer Besserung oder Abheilung der aktuellen Beschwerden. Vereinzelt treten vorübergehende neue Beschwerden an einer anderen Körperstelle auf. Diese entsprechen typischerweise früheren Erkrankungen z.B. Nebenhöhlenentzündung oder Narben durch Verletzungen und Operationen, welche nicht vollständig ausgeheilt sind und in der NT Störfeldergenannt werden.

Was ist ein Störfeld?

Baum und Sonne

Ein Störfeld ist eine chronische Reizstelle im Körper, meist im Kopfbereich (Mandeln, Zähne, Kiefer, Nebenhöhlen) oder eine Narbe irgendwo an einer Körperstelle (nach Verletzung oder Operation), welche nicht direkt wahrgenommen wird, aber die Regulation - und damit die Selbstheilung – des Körpers stört oder blockiert. Eines oder mehrere Störfelder können gezielt durch NT behandelt werden. Gelegentlich sind dabei Zahnbehandlungen z.B. die Entfernung der Weisheitszähne notwendig.

Wann wird Neuraltherapie eingesetzt?

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Bei einer akuten Erkrankung ist der auslösende „Reiz“, z.B. eine Infektion oder eine Verletzung, also der Grund für die Krankheit, meist gut erkennbar und wird in der Schulmedizin korrektiv (z.B. durch eine Operation) oder symptomatisch (z.B. mit Antibiotika, Schmerzmitteln) behandelt. Bei chronischen und insbesondere bei über Jahren anhaltenden Erkrankungen wie chronischen Kopfschmerzen, Gelenkerkrankungen, chronischen Nacken-Schulterverspannungen und Rückenschmerzen, Hautleiden, Asthma, chronischen Magen-Darmbeschwerden etc. ist der auslösende Reiz bzw. die Ursache dagegen oft nicht mehr herauszufinden. Hier liegt die Stärke der Neuraltherapie.
Die NT kann neben akuten bei ca. 80% aller chronischen Erkrankungen angewendet werden, nicht aber bei zerstörter Regulation (z.B. Tumoren) , zerstörter Struktur (wie bei Leberzirrhose) oder bei Mangelzuständen wie z.B. Eisen- oder Vitaminmangel.Die NT kann mit jedem schulmedizinischen Verfahren kombiniert werden. Sie stellt eine effektive und risikoarme und ganzheitliche Therapiemethode dar.

Wo und wie oft wird Neuraltherapie angewendet?

Die Neuraltherapie wird in erster Linie an der Stelle angewendet, wo der Schmerz oder die Funktionsstörung auftritt. Narben auf der Haut können nach Verletzungen oder Operationen schmerzhaft, empfindlich oder „wetterfühlig“ sein. Hier ist nach 1-2 Behandlungen ein Erfolg in 90% zu beobachten. Neben der Haut können gezielt bestimmte Nerven, Gelenke oder Organe wie Herz und Lunge über Ganglien (das sind Schaltstellen, welche die Funktion von Organen oder grösseren Körperregionen steuern) mitbehandelt

Bei akuten und einfachen Störungen können individuell verschieden 1-4 Behandlungen genügen, bei chronischen und komplexen Krankheitsbildern sind durchschnittlich 8 Behandlungen zur Besserung oder Abheilung zu erwarten. Rückfälle können wie auch bei schulmedizinischen Behandlungen auftreten und erneute Anwendungen erfordern. Die Neuraltherapie wird von der Grundversicherung der Krankenkassen übernommen.

Quelle: www.santh.ch